Einmal Brocken-Challenge, immer Brocken-Challenge 

Nie im Traum hätte ich in meinem vorherigen Leben gedacht, eines Tages von Göttingen auf den Brocken zu laufen. Dennoch habe ich es dieses Jahr getan, 2015 scheiterte mein Versuch 1.0 in Königskrug. Seinerzeit hatten meine damaligen Mitstreiter Beate, Lars und ich uns geschworen, dass wir uns wieder bewerben werden. Was wir dann auch getan haben, aber nur ich hatte das Losglück. 

Im Grunde war es tatsächlich für mich eine 2te Auflage meiner Teilnahme von 2015. Tagelang war für das Wochenende Schnee vorausgesagt gewesen, am Freitag strahlte aber plötzlich die Sonne. Wie 2015. Ich hatte mich wieder im GDA-Seniorenstift einquartiert. Wie 2015.

   

Zur Startnummernabholung und Briefing hatte ich mich mit Frank verabredet. Es war seine erste Teilnahme und wir haben uns wohlweislich draußen getroffen, denn drinnen war schon ein ziemliches Gewusel. Startnummer abholen, Rucksack für oben abgeben und im Hörsaal Platz nehmen. Das klappte prima. Um 18:00 ging es los, mit einer stimmungsvollen musikalischen Einleitung von Markus auf seinem Didgeridoo, dieses Mal aber mit Gitarrenbegleitung. Dazu liefen Bilder der vergangenen BCs ab. Toller Auftakt. Aschu erklärte uns dann noch die Kniffeligkeiten der Strecke, wobei ich wieder nicht aufgepasst habe, als es um den Streckenverlauf nach der Lausebuche ging. Bin wieder auf der roten gelaufen… Dann stellten sich noch die diesjährigen Spendenempfänger vor und schon war die Zeit um.

   

Anschließend fuhren wir zum Reinshof von Frank, um dort mit Lars und einigen anderen Teilnehmern der BC etwas Pastapartyfeeling aufkommen zu lassen. Wir blieben aber nicht lang, sollte der Start um 6.00h sein.

   

Die Atmosphäre am nächsten Morgen im alten Tanzsaal war wieder unglaublich stimmungsvoll. Gut gelaunte Läufer, die sich an dem reichlich gedeckten Frühstückbuffet stärkten für die kommenden 80 KM.

  Foto Wolfgang Schwericke
  

Ich hatte mir einen Plan gemacht und mir meine Wunschlaufzeit sowie die Cutoff-Zeiten auf einen laminierten Zettel notiert. Mein Gedächtnis lässt irgendwie nach, je länger ich laufe. Wahrscheinlich weil das ganze Blut in den Beinen fließt… Ankommen war heute Pflicht!  

 

Mit Brocken-Challenge here we go wurden dann 177 LäuferInnen auf den Weg geschickt und angenehm war schon mal kein Eis und Schnee unter den Füssen zu haben, wie im letzten Jahr beim Start. Es ging dann 10,9 K nach Landolfshausen. Es lief ganz gut, ich wunderte mich nur, dass ich nach einem kurzen Abstecher in die Büsche plötzlich ganz allein unterwegs war. Weit und breit niemand zu sehen. Das kann ja heiter werden, Orientierung ist nicht gerade meine Stärke. Gut, ich bin die Strecke schon einmal gelaufen, aber ich war nicht gefühlt allein unterwegs. In Landolfshausen wurde ich etwas unsicher und hab dann prompt die falsche Richtung genommen. Da war doch eine Kirche, an der ich vorbei muss und schon war ich wieder auf Kurs. Die Damen vom Hospiz waren sehr nett und ich stärkte mich mit Salbeitee. Der erste nennhafte Anstieg wollte genommen werden.

 
  

Während ich mich auf den Weg nach Rollshausen machte, ging die Sonne auf. Das musste ich festhalten, diese Stimmung. Auch davon lebt die Brocken-Challenge, lange Strecken durch weite Landschaften, die man so vielleicht nur sieht, wenn man sie sich erläuft. Beim letzten Foto stellte ich fest, dass mein Handy sich verabschiedet hatte. Schreck lass nach. Ich mutterseelenallein und ohne die Möglichkeit, telefonisch erreichbar zu sein. Mein siebter Sinn hatte mich allerdings einen Zusatzakku inkl. Ladekabel einpacken lassen und ich verkabelte mich erstmal. Fotos machte ich dann keine mehr

Auf dem Weg zur Rhumequelle wurde es dann ein bisschen trailiger, vorbei an der Tilly-Eiche, wo im letzten Jahr schwere Gefährte tiefe Krater in den Weg gezogen hatten. Das war dieses Jahr nicht der Fall und es lief sich ganz gut. So gut, dass ich auch schon andere Läufer vor mir ausmachen konnte, an die ich mich langsam aber stetig heranarbeitete. Nach der Rhumequelle kam mir Frank Kleinsorg entgegen, der mir noch zurief, oben nach der Kreuzung links. Welche Kreuzung? Da kam eine Weggabelung, die lief ich links. Kreuzung also abgehakt? Die Strecke ist eigentlich gut markiert, wenn man nicht gerade träumend durch die Gegend läuft und die eine oder andere Wegmarkierung übersieht. So kam ich wieder an eine Stelle, wo ich nicht genau wusste, welche Richtung ich nehmen sollte. Im Zweifel immer geradeaus, aber halt. War das die Kreuzung? Dann sah ich noch einen Läufer mit Rucksack. Also nach links abgebogen und stetig aufgeholt. Da er ging, war das kein Problem, dennoch wäre es blöd gewesen, wenn er ein ganz normaler Wanderer gewesen wäre. War er aber nicht, Glück gehabt!

  Foto Silke Reinecke

Mein Zeitplan funktionierte ganz gut, in Barbis kam ich planmäßig an. Dann ging es aber hallo hoch, komisch, kann mich nicht erinnern, dass das letztes Jahr auch so steil war. Musste ein paar mal anhalten und tief Luft holen, danach lief es aber. Jetzt also war ich im Harz! Auf dem Entsafter lag kein Schnee und man lief über Kopfsteinpflaster. Das mochten meine Füße nicht so gerne, ich musste mich zusammenreißen, nicht im Schlurfschritt zu verfallen. Aufwärts ging ich, runter lief ich. Dann kam aber schon der Schnee und es wurde für meinen linken Fuß etwas angenehmer. Ich lief durch eine wunderschöne Winterlandschaft, vollkommen eins mit der Natur, Wasser plätscherte, Vögel zwitscherten, als ich an einer Bank vorbeikam, musste ich einfach ein Foto machen und mich verewigen. Zumindest für eine gewisse Zeit.

   

Der Entsafter zog sich tatsächlich etwas hin und ich traute meinen Augen fast nicht, als ich plötzlich die Reiterdamen ohne Pferde am Jagdkopf ausmachte. 15 Minuten über meinem Zeitplan! Trotzdem nur kurz die Leckereien genossen und das Getränk mit auf den Weg genommen. Dank Einwegbecher kein Problem

Immerhin hatte ich jetzt auch wieder Läufer vor mir und für die ca. 9 km zur Lausebuche war ich ganz optimistisch. Dieses Mal schaffe ich es locker vor der Cutoff-Zeit. So schoss ich denn noch an Frank vorbei, direktemang in die Arme von Moni, quasi schon mal ein kleiner Zieleinlauf. Lausebuche war mein persönlicher, kulinarischer Highlight, mit lecker Käseschnittchen. Die stärkten mich so ungemein, dass ich flugs mal die rote Strecke ablief um dann rechtzeitig noch abzubiegen. Mag sein, dass die blaue Strecke kürzer ist, aber landschaftlich schöner ist eindeutig die rote Strecke. Die haben wir letztes Jahr auch genommen, erklärt natürlich alles!

Kurz vor Königskrug noch ein kleiner Verläufer, aber das hat mich nicht davon abgehalten, fast eine Stunde vor dem Cutoff an den windbeutelessenden Besuchern vorbeizupreschen zum VP Königskrug. Der Schicksal-VP vom letzten Jahr und da fragt man mich doch als erstes, bist du die letzte?

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht begab ich mich Richtung Oderbrück. Aufwärts gehen, runter laufen. Es kamen viele Fußgänger und Skifahrer vom Brocken herunter. Noch war es hell und ich konnte einigermaßen sehen. Der Weg wurde aber kurz vor Oderbrück schon etwas trailig, gefühlt ging es über eine Skiabfahrtsstrecke, ob das wohl richtig war? Egal, ich kam an und ich wurde mit den tröstlichen Worten auf den Berg geschickt: Ab jetzt ist die Schneedecke fest. Auf dem Brocken ist aber Nebel und Wind, hoffentlich erwischt es dich nicht allzu arg. 

Kalt – hart –schön. Das unterschreibe ich. Nach meinem fast 7,5 k langem Zieleinlauf ab Oderbrück. Zieleinlauf deswegen, weil ständig Leute vom Brocken kamen und mir bei meinem Anstieg Beifall zollten und mir gratulierten. Sagenhaft. Sogar Henry traf ich, er nach unten, ich nach oben. Denke so, der sieht ja aus wie Henry, da ruft er schon meinen Namen. Das gab noch mal extra Auftrieb!

Wenn ich lange unterwegs bin, zähle ich die Kilometer runter. Nur noch 6,9km, 5,9km, 4,9km… Dann war es nur noch meine Minimalrunde, aber es war mittlerweile Dunkel und meine Stirnlampe funzelig. Ich hab 3 Stirnlampen, aber alle sind funzelig. Nur die anderen haben immer die reinsten Scheinwerfer. So hatte ich aber auch Orientierung und auf einmal hieß es, nur noch 1 Kilometer. Ich sah nur nix! Panik vorm verlaufen auf dem letzten Kilometer! Aber alles wurde gut und ich schleppte mich ins Ziel, wo man mich gebührend mit Kuhglockengeläute und großem Hallo begrüßte. 

Das so ein langer Lauf in der Kälte das Denkvermögen etwas beeinträchtigt, konnte man bei mir daran erkennen, dass meine erste Frage war: Wo ist der Brocken? Da stand ich ja drauf, aber ich meinte natürlich den Brockenstein. Den ich dann im Nebel und eisigem Wind suchen gegangen bin. Ich fand ihn aber nicht! Nachdem ist fast rum gegangen war, kehrte ich um und dann sah ich IHN! Ein freundlicher Samariter kam mir mit seiner Kamera entgegen und machte dann noch das obligatorische Foto. Man sah zwar fast nix, aber was muss, dass muss.

  

Der Empfang in der Hall of Fame bzw. Goethesaal war dann sehr ergreifend, alle fingen an zu klatschen, als Frank und ich eintraten. Den hatte ich mittlerweile aufgabelt, auf der Suche nach meinem Rucksack. Wir gönnten uns dann noch eine Dusche, eine Erbsensuppe mit Würstchen, eine Cola und ein alkoholfreies Weizen. Alles in der Reihenfolge, letzteres mussten wir aber zurücklassen, denn es ging schon wieder mit der letzten Gruppe runter und damit begann ein weiteres Abenteuer.

Laufe mal 80 Kilometer den Brocken hoch. Da fühlt man sich wie Flasche leer. Dann heißt es, alle wieder runter nach Schierke. Man kann natürlich die Straße nehmen, aber die ist 3km länger und ab einem gewissen Punkt zählt jeder Kilometer weniger. Es wurde trailiger als trailig, einmal bin ich gestürzt, dann stützte mich jemand wie Oma-übern-Zebrastreifen-bringend und ich entschloss mich, doch die Yak Traks anzuziehen. Gute Idee!

Dann war alles einfacher und der Bus wartete schon. Was hab ich mich auf die Busfahrt gefreut. Man könnte meinen, ich renne nur so lang, damit ich hinterher schön gemütlich Bus fahren kann. Ist beim Rennsteig nämlich auch so.

Frank brachte mich dann noch in meinem Seniorenstift vorbei und wir waren uns beide einig, nächstes Jahr bewerben wir uns wieder. Das war wirklich ein traumhafter Lauf gewesen, der nach einer Wiederholung ruft.

   

Einmal Brocken-Challenge, immer Brocken-Challenge!

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